Mobile Payment Lösungen aus dem Land der Mitte – werden Chinas Big Player auch den deutschen Mobile Payment Markt revolutionieren? Status quo, Chancen für Händler und die tatsächlichen Potenziale haben wir uns genauer angeschaut.

Was in Deutschland schwermütig anmutet, ist in China so selbstverständlich wie die Nutzung des Smartphones selbst. Mobiles Zahlen gehört hier schlichtweg zum Alltag. Die beiden großen Anbieter Alipay und WeChat Pay dominieren mit einem gemeinsamen Anteil von knapp 94% den Markt.

Internet Trends Report, Analysys c/o Mary Meeker’s, 2017

Und im Gegensatz zu den westlichen Staaten, in denen sich der Trend zur NFC-Technologie abzeichnet, haben sich in China zwei Anbieter durchgesetzt, die ihr mobiles Zahlungsangebot auf QR-Codebasis entwickelt haben. Ihr Vorteil: Sie können einfach abgescannt werden, egal ob es der QR Code der Zapfsäule, des Street Food Anbieters um die Ecke oder der Arztpraxis ist. Kassenterminals sind schlichtweg nicht nötig. Und demensprechend wundert es auch in einigen Restaurants kaum noch, dass die Zahloption per Karte erst gar nicht existiert: „Mobile or Cash?“ lautet hier die Frage.

Fakt ist: China ist anderen Nationen beim Thema Mobile Payment meilenweit voraus. Und ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist die „Mobile-First“ Philosophie im Land der Mitte. Viele Einwohner besitzen gar keinen Desktop-PC, sie haben mit der Verfügbarkeit des Internets direkt den Sprung zum Smartphone gemacht. Ein weiterer wichtiger Aspekt: In China ist das Kreditkartensystem weitaus weniger ausgereift als in westlichen Staaten. Auch hier wird also ein Entwicklungssschritt, den andere Länder durchlaufen haben, schlichtweg übersprungen. Man geht direkt vom Bargeld zum Mobile Payment über. Mittlerweile bauen auch viele Services schlichtweg auf Mobile Payments auf: Dass China zur Nr. 1 Sharing Economy geworden ist, ist nicht zuletzt auch auf die starke Verbreitung von Mobile Payments zurückzuführen, mit denen Transaktionen schnell und einfach abgewickelt werden können – schließlich reicht der Scan des QR-Codes schon aus.

Beschränkt sich die Ausbreitung dieser Zahlungs-Optionen ausschließlich auf den chinesischen Markt? Die einfache Antwort: nein!

Weltmeister im internationalen Reisen ist China – und auf diesen Auslandsreisen geben Chinesen zudem im Durchschnitt noch deutlich mehr Geld beim Shopping aus, als es Reisende anderer Staaten tun. In Zahlen: 762 US-$ im Vergleich zu 486 US-$.1 Gründe dafür reichen von der höheren Produktqualität in Ländern wie den USA und Deutschland bis hin zur kulturellen Verpflichtung, der gesamten Verwandtschaft Geschenke mitzubringen – je hochwertiger desto besser.

Wirecard.de, 2018

Und bei der Entscheidung, wo ein chinesischer Kunde im Ausland einkauft, spielt ein Faktor eine besonders wichtige Rolle: Die angebotenen Zahlungsarten.

Deshalb verwundert es nicht, dass auch deutsche Unternehmen wie Breuninger, WMF, Rossmann wie auch der Münchner Flughafen bereits die chinesischen Mobile Payment Lösungen – sprich Alipay und WeChat Pay – anbieten. Sie sind allesamt bei chinesischen Touristen sehr beliebt und entsprechend frequentiert. Allerdings sind sie auch ausschließlich den chinesischen Touristen vorenthalten, denn die Alipay App gibt es für deutsche Nutzer gar nicht, den Messenger WeChat zwar schon, allerdings ohne Bezahlfunktion.

OB sich Mobile Payment in China durchsetzen wird, steht schon lange außer Frage. Hier geht es zukünftig eher darum, wie sich der Markt aufteilen wird, denn WeChat Pay macht Alipay zunehmend Marktanteile streitig und das, obwohl es erst rund eine Dekade später gelauncht wurde. 2014 lag Alipay´s Marktanteil noch bei über 80%. Der große Vorteil von WeChat Pay: Es handelt sich um eine in der WeChat App integrierte Mobile Payment Methode. Die zahlreichen Mini Programme von Unternehmen, die diese direkt in der App verfügbar machen (alles von Bike Sharing über Streaming Dienste bis hin zu Shopping Sides), können so nahtlos auf WeChat Pay zurückgreifen.

  • 1Vgl.: Nielsen: Outbound Chinese Tourism and Consumption Trends, 2017