Mobile Zahlverfahren feiern mit der Einführung von Google Pay und Apple Pay keine Premiere. Auch am deutschen Markt haben es viele Anbieter bereits versucht – und sind nicht selten aufgrund mangelnder Nutzerzahlen gescheitert. Doch wie gestaltet sich der Markt der Mobile Payment Anbieter aktuell?

Um etwas Struktur in den allzu unübersichtlichen Mobile Payment Markt zu bringen, macht es Sinn, die Anbieter in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Beginnen wir bei der offensichtlichsten: Den Banken!

Sparkasse.de, 2018

Das Sparkassenangebot „Mobiles Zahlen“, das 2018 auf den Markt gekommen ist, ist die jüngste Mobile Payment Entwicklung im Bankenbereich, eine Lösung, die ausschließlich für das Bezahlen in Stationärgeschäften gedacht ist. Voraussetzung: Der Nutzer muss Sparkassenkunde und Online Banking Nutzer sein. Der Sparkassenverbund ist mit dieser Lösung allerdings keinesfalls Vorreiter im Bankenbereich. Auch die Postbank, die Deutsche Bank, die Volks- und Reiffeisenbanken sowie ein Verbund aus über 1400 Instituten (paydirekt) sind bereits mit mobilen Zahldiensten am Markt präsent. Ihr Vorteil: Sie verwalten ohnehin die Bankkonten ihrer Kunden und geben Kreditkarten – häufig bereits mit NFC-Funktion – aus. Der Schritt zum Mobile Payment ist also nicht fern. Und vor allem: Ob der Dienst angenommen wird oder nicht, scheint für die Banken zunächst nicht geschäftskritisch. Ihr Problem: Je populärer Mobile Payments werden, desto wichtiger ist dessen Verfügbarkeit für die Auswahl der eigenen Hausbank. Banken, die eine solche Funktion nicht bieten und Mehrwerte gegenüber der kontaktlosen Kartenzahlung nicht schaffen können, werden langfristig auch Kunden verlieren. Laut Umfrage von Banking Hub 2018 sind das immerhin 57% aller Befragten, die einen Bankwechsel in Erwägung ziehen.

Die in den westlichen Staaten am weitesten verbreiteten Mobile Payment Lösungen sind Apple Pay und Google Pay – und damit befinden wir uns im Bereich der Gerätehersteller und Plattformbetreiber.

In Deutschland starten beide Lösungen in diesem Jahr. Wie groß ihr Einfluss auf die Etablierung von Mobile Payments am deutschen Markt sein wird, bleibt abzuwarten, die Chancen stehen aber zumindest aufgrund der Markenbekanntheit gut. Vorteil der Lösungen: Sie sind nicht nur offline, sondern auch online bei entsprechenden Partnerunternehmen nutzbar – und Kundenkarten können ebenso in der App hinterlegt werden, sodass auch bestimmt keine Punkte beim Kauf verloren gehen. Technologie auch hier: NFC. Ihr Nachteil: Sie sind eigentlich auf die Kooperation von Banken angewiesen – und die stellen sich in Deutschland erfahrungsgemäß gerne mal quer. Aber: Beide Unternehmen haben einen Weg gefunden, dieses Problem geschickt zu umgehen. Google Pay arbeitet nun mit Paypal zusammen, Apple Pay mit Maestro. Damit geraten die Banken umso mehr ins Hintertreffen.

Eine dritte Kategorie von Mobile Payment Anbietern bilden die Mobilfunkbetreiber. Hier lohnt es sich allerdings kaum, einen genaueren Blick auf die Lösungen zu werfen – denn alle Anbieter sind mit ihren Mobilen Zahldiensten kläglich gescheitert.

Vodafone Wallet? Mpass? Base wallet? MyWallet? Allesamt Geschichte.

Vielfach waren die Lösungen schlichtweg zu umständlich, etwa in Form von zu hinterlegenden Prepaid-Karten, die erst mit Geld aufgeladen werden mussten. Wer verbleibt noch an dem stark zersplitterten Mobile Payment Markt Deutschlands?

Die Drittanbieter, also Unternehmen, die sich ausschließlich auf Zahlungsdienstleistungen konzentriert haben. Auch hier ist das Feld der aktiven Anbieter allerdings mehr als überschaubar. Die Otto-Tochter Yapital wurde 2011 gegründet. Ziel: 1 Million Kunden bis 2015. Stattdessen war 2015 das Jahr, in dem der Dienst bereits wieder eingestellt wurde. Ähnlich erging es dem crowd-finanzierten Paymey – erst 2013 und 2014 wurden von Kleinanlegern über Seedmatch 400.000 € eingesammelt – 2015 meldete das Unternehmen bereits Insolvenz an. So oder so ähnlich erging es in den letzten Jahren vielen Start-ups. Ihre Hoffnung, dass mobile Bezahldienste nun endlich auch in Deutschland den Durchbruch schaffen, ist wie eine Seifenblase geplatzt.

Techcrunch.com, 2013

Selbst PayPal – einer der größten Zahlungsanbieter in Deutschland mit einem E-Commerce Umsatzanteil von knapp 18% – hat es schwer, im Mobile Payment Markt nachhaltig fußzufassen, zumindest wenn es um stationäre Käufe geht. Klar: Via Paypal Geld von Account zu Account zu schicken geht schon heute und erfreut sich bei Privatnutzern wie auch dem Geschäftsbereich „Handwerk“ großer Beliebtheit. Aber wie steht es um Transaktionen im stationären Handel? Laut Deutschlandchef Frank Keller fehlt es ganz einfach an Applikationen, die dem Kunden tatsächlich Mehrwert bieten. In der Vergangenheit wurde bereits einiges getestet, so zum Beispiel die Integration von QR Codes in Schaufenstern, die Integration von QR Codes auf Rechnungen oder der 2013 stattgefundene Probelauf von PayPal „Check-in“, einer Mobile Payment Option für teilnehmende Bars, Cafes und Restaurants in Berlin. Der Durchbruch ist mit keiner dieser Lösungen gelungen.

Viel Hoffnung steckt hingegen in der jüngsten Lösung PayPals – einer Kooperation mit Shell. Seit Ende 2017 können Kunden in Berlin und Hamburg bereits via Shell App und verknüpftem PayPal Konto mobil ihre Tankrechnung bezahlen und müssen dazu das Fahrzeug gar nicht erst verlassen. Die App lokalisiert mittels GPS, an welcher Shell Station sich der Kunde befindet. Nach Eingabe der Zapfsäulennummer und Bestätigung des maximalen Tankbetrages sowie der Säulennummer verbindet das System die Daten und der Kunde erhält die Freigabe zum Tanken. Einziger Nachteil: Der Kunde ist zwangsläufig an die Shell Tankstellen gebunden.

Das ist übrigens typisch für den deutschen Mobile Payment Markt: Es gibt viele Individuallösungen von Händlern, die die Bezahlfunktion als mehr oder weniger nützliches Feature in Ihre hauseigene App integriert haben. Dass wir uns diese Lösungen, wenn es um die flächendeckende Verbreitung von mobilen Payments in Deutschland geht, nicht anschauen brauchen, liegt auf der Hand: Die Lösungen sind jeweils nur auf das eine Unternehmen bezogen.

Und nun?

Im Grunde bleibt nur Abwarten – abwarten, wie die Lösungen von Google, Apple und der Sparkasse am deutschen Markt Fuß fassen können. Wovon die drei Lösungen in jedem Fall profitieren sind die bereits vorhandenen Kunden, zumindest wenn es um andere Leistungsbereiche des jeweiligen Unternehmens geht. Da ist der Schritt zum mobilen Zahlen nicht mehr allzu weit. Aber was bleibt ist die Frage nach dem tatsächlichen Mehrwert für den Kunden. Anwendungsfälle müssen den Zahlungsprozess beschleunigen und vereinfachen und mit zusätzlichen Features wie etwa der Speicherung von Kundenkarten aufwarten, um sich als Alternative zu Barzahlung oder Kartenzahlung behaupten zu können.